Alternativ-Feiern

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Hildegard von Binge Drinking

21:00, 21.11.2019Kantine

Wir holen die ausgefallene Show endlich nach! HILDEGARD VON BINGE DRINKING Krautrock, Post-Punk, Leftfield Electronics Fuck you, this is not a Spaßband. Witz ist nicht gleich dödelige Albernheit - und Wortwitz nicht gleich trottelige Comedy. Hildegard von Binge Drinking ist das - formal zugegebenermaßen polarisierende - musikalische Vehikel von zwei Leuten, die sich vorherig/nebenher unter anderem schon im Post-Punk-Spektakel Shokei austobten.Auch hier täuscht die vorgegaukelte Ironie des Namens und der Kostüme über den Ernst der Sache hinweg, denn dieses Vehikel ist beileibe kein schnapsklebriger Karnevalszug. HvBD ist ein mit Chlorix betankter Wasserwerfer gegen die Durchschnittlichkeit, gegen Muckerpose, gegen Banalität und gegen die generell gegenwärtige Alltagsscheiße. HvBD sind ein Statement: zu brechen mit der Routine, mit Hierarchien, mit anbiedernder Ästhetik - im Großen wie im Kleinen.Das Erleichternde: Es funktioniert ganz ohne Polit-Punk-Gerumpel, sondern in Form einer Melange aus pumpendem Old-School-Hip-Hop (im besten Sinne von Run DMC et al.), wabernd-drückendem Synth-Krautrock à la Trans Am und dem bewährten Post-Punk-Fahrgestell der bandeigenen Sozialisation. Spätestens ein Blick auf das Gesungene offenbart: HvBD sind eine erschreckend persönliche, ziemlich wütende Band, die ihr bestes tut, die eindringliche Ernsthaftigkeit mit ästhetischen Mitteln zu kompensieren, um nicht in Zynismus abzusaufen. Häresie ist eine Strategie. Also zumindest für Hildegard von Binge Drinking. Über 150 Konzerte hat das Nonnen-Duo aus Würzburg seit 2013 gespielt, darunter Shows in Eisenbahnwaggons, auf einem Schiff, auf Festivals von der Fusion über einen Christopher Street Day bis zur Ruhrtriennale - und natürlich in Clubs all over Deutschland. Nach einem - inzwischen ausverkauften - Album und zwei EPs kommt nun die neue Platte auf dem Frankfurter Label Ichi Ichi: "Infinity". Keine gewöhnliche LP, sondern eine, bei der alle acht Songs in Endlosrillen enden. Eher eine IP - infinite play. Entstanden ist das alles im April 2017: Das Duo hatte sich, ausgestattet mit einem Stipendium des Frankfurt LAB, für einen Monat im Gallusviertel in einen Proberaum eingeschlossen, um bei Null anzufangen und acht endlose Titel zu schreiben, zu proben und aufzunehmen. Um eine vier Wochen lange Geschichte mit geplatztem Gymnastikball, genervtem Kindergärtner und gepflegtem Zeitdruck auf vier Worte zu kürzen: Es hat hervorragend geklappt. Das Ergebnis ist, dank der Endlosrillen, natürlich eine Gimmick-Platte - aber eben eine gut hörbare Gimmick-Platte. Abseitiger Pop, Leftfield Electronics, Zombiprog - man kann es nennen wie man will, die Hildegard-Ingredienzen sind jedenfalls alle da: Vocoder, (elektronische) Chöre, Synthesizer, ein bisschen Krautrock - und das treibende Schlagzeug, das alles zusammenhält. Live noch immer eine Offenbarung. "Der Rausch, die Mystik, geschickt in einen Dialog gesetzt mit dem Bandnamen: Hildegard von Binge Drinking, passend im Nonnenornat, machen einen heftigen Clash von Electro mit Krautrock." taz "Ein als nihilistische Nonnen verkleidetes Synthie-Hardcore-Duo, deren Unverständnis für Lieblichkeit jedweder Art ganz besonders wohltuend ist." Süddeutsche Zeitung "Mischung aus Kraftwerk-Synthies, Computerstimmen, mächtig Groove und allerlei spacigen Effekten." Ox "Faszinierende Mischung aus Postpunk und Kosmischer Musik. Ganz hervorragende Platte." Babyblaue Seiten "Zwischen Elektronik, Zombiprog und krautigem Punk. Weiter so!" Trust